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Hier einige von meinen Gedichten


Weitere Gedichte sind zu finden in:
Christian Schomers: Nicht ganz dichte Gedichte, Tübingen 2009
und
Christian Schomers: vers zwickt vers rückt, Tübingen 2011
jeweils zum Preis von 10 € zu bestellen bei Kontakt

Wochengedicht zur 21. Woche:



Eine Schnurre

Die Wissenschaft hat längst herausgefunden,
wieso die Frösche quaken und zu welchen Stunden.
Man weiß, warum die Gänse schnattern
und wie die Schmetterlinge flattern,
analysierte, wann die Hunde knurren,
und weiß nur Eines nicht: wie Katzen schnurren.

„Dieses Geheimnis muss ich zwingen
und den Nobelpreis mir erringen!“
sprach Herr Professor Doktor Mende
und spuckte kräftig in die Hände.
„Mein Forschergeist wird unerschrocken
dem Tier die Antwort bald entlocken!“

Nun ist die Katze eigenwillig
und als Versuchstier auch nicht billig.
Ganz anders Mäuse, die zu Tausenden
durch Labyrinthe sausen, denn
die lassen sich gern züchten und dressieren
(und dann zu guter Letzt sezieren).

Zur Forschung eignen sich auch Fliegen,
denn die kann man in Massen kriegen,
weil sie so schnell und leicht gedeihen.
Und: Fliegen machen keine Schweinereien.

Ein Hund wird ohne sich zu zieren
lammfromm dir Stöckchen apportieren.
Er jault und springt, er bellt und hechelt,
die Katze aber räkelt sich und lächelt
nur mild und denkt: „Was soll denn das Getue?
Ich bin kein Schaf! Lass mich in Ruhe!“

Dies Naturell macht Katzen interessant.
Das hat schon Erwin Schrödinger erkannt.
Er sperrte (in Gedanken) eine ein
und ließ sie tot und gleichzeitig lebendig sein -
ein merkwürdiges Quantenphänomen!
Die Katze aber fand das schizophren,
fing an sich heftig zu beschweren
und ließ sich einfach nicht belehren.

Sie räumte ein: „Zwar sind neun Leben
uns Katzen, wie man weiß, gegeben.“
Doch deshalb neun Mal sterben müssen,
nein, davon wolle sie nichts wissen.
(Zum Glück war alles graue Theorie,
weshalb sie ihm am Ende auch verzieh.)

Man sieht: Der Wissenschaft sind Katzen unbequem,
doch eben deshalb reizte Mende das Problem,
ob denn die Katze schnurrt mit ihrem Bauch,
ob mit dem Hals, der Nase oder auch
- denn das besagt die jüngste Theorie -
das Schnurr’n erzeuge mit dem Knie.

So schritt er kühn zum Katzentest.
Er band das Tier auf dem Labortisch fest,
umgab es mit Geräten und Sensoren
und steckt‘ ihm Elektroden in die Ohren.

Doch, ach! - bei all der Apparate Surren
wollte das Tier partout nicht schnurren!
Mende notierte hell empört:
„Bestie weiß nicht, was sich gehört!
Ist selber schuld. Problem wird nicht gelöst.“
Die Katze - war inzwischen eingedöst.

Er weckte sie. Das hat ihr nicht gefallen.
Sie wurde bös und zeigte Krallen.
Sie fauchte und zerkratzte ihm die Hände.
Da war sein Forschergeist am Ende.
In blinder Wut und höchster Not
schlug er den Gegenstand der Forschung tot.

Es war entsetzlich und bestialisch:
Die Katze war – auch quantenphysikalisch
gesehen – leider mausetot,
und Mende wurde nun bedroht
vom internationalen Tierschutzbund,
und (siehe oben) das nicht ohne Grund.

Man forderte gleich Schmerzensgeld
und der Skandal ging um die Welt.
Mit dem Nobelpreis war es aus.

Professor Mende widmet sich seither der Maus,
denn die gehorcht ihm ohne Murren
und denkt nicht mal im Traum daran zu schnurren.

Christian Schomers 2006





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